Der digitale Führerschein ‒ Ihr Identitätsnachweis auf Ihrem Mobiltelefon


​Die Welt bewegt sich rasant auf mobile und digitale Formate für viele alltägliche Aufgaben zu. Schon jetzt verfügt Ihr Mobiltelefon über eine Vielfalt von Funktionen wie die Fahrkartenerstellung, mobile Zahlungen, Treueprogramme, Flug-Check-ins und vieles mehr. All dies ist dank vielzähliger Anwendungen möglich, die sich gebündelt immer mehr zu unserer mobilen Geldbörse entwickeln. 

Wesentliche Triebkräfte für diesen Trend sind Benutzerfreundlichkeit und Bedienkomfort bei Transaktionen, die einen Identitätsnachweis erfordern. Eines der meistverwendeten Dokumente zum Identitätsnachweis soll nun ebenfalls diesen Weg einschlagen ‒ der Führerschein. 

Die Hauptfunktion des Führerscheins, egal ob physisch oder digital, bleibt weiterhin der Nachweis der Identität und der Berechtigung, ein Fahrzeug zu steuern. 

In einigen Staaten der USA wurden Pilotprojekte gestartet, um die technische Realisierbarkeit eines digitalen Führerscheins zu untersuchen. Im Rahmen derer sollen digitale Führerscheine, auch mobile Führerscheine genannt, die visuellen Hauptaspekte eines physischen Führerscheins beibehalten: die Anzeige der persönlichen Daten des Fahrers ‒ Name, Anschrift und Geburtsdatum ‒ sowie ein Foto. Unterschiedliche Technologien werden dafür in Betracht gezogen, aber Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit werden weiterhin die Schlüsselelemente bleiben.

Digitaler Führerschein
Benutzerfreundlichkeit des mobilen Formats ‒ potenzielle neue Anwendungsfälle für den Identitätsnachweis​​​​ 

Von den wesentlichen Sicherheitsaspekten abgesehen haben die Ausstellungsbehörden insbesondere Interesse an der universalen Benutzerfreundlichkeit dieses mobilen Formats gezeigt. 

  • Benutzerfreundlichkeit für die Inhaber, die mit einem digitalen Führerschein auf ihrem Mobiltelefon einfacher reisen können, und der unverzüglich aktualisiert werden kann
  • Benutzerfreundlichkeit für die Rechtsvolllzugsbehörden oder andere Parteien, die Identitäten und Berechtigungen überprüfen müssen
  • ​Benutzerfreundlichkeit für die Ausstellungsbehörden, die neue Dienste erforschen können, welche einen solch vertrauenswürdigen und sicheren Kanal zum Austausch und zum Nachweis von Identitäten erfordern
 

Der Führerschein gehört seit Jahrzehnten zum Standard und dient nicht nur als Nachweis dafür, dass man befugt ist, ein Fahrzeug zu lenken, sondern auch zur Bestätigung des Alters und der Identität. Dies eröffnet dem mobilen Führerschein eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten wie:

  • Polizeikontrolle: Fahrzeugkontrolle am Straßenrand zur Bestimmung der Identität des Fahrzeugführers und seiner Rechte
  • Altersnachweis: wo der Erwerb von Alkohol, wie in vielen Ländern, auf Erwachsene über 18 Jahren beschränkt ist und das Alter vom Händler überprüft werden muss
  • Autovermietung: zum Nachweis der Identität des Mieters, zur Sicherstellung der Fahrerlaubnis und zur Datenerfassung (Adresse etc.)
  • Identitätsnachweis oder -bestätigung für Hotel-Check-ins, Kreditinstitute, Sozialämter...
  • Online-Authentifizierung: von der Zugangskontrolle bis hin zur Identitätsverifizierung...

​Digitaler Führerschein ‒ der Stand in den USA im Jahr 2016​

Iowa war der erste Staat, der den digitalen Führerschein testete, und der Ende 2015 ein Pilotprojekt mit 60 Staatsangestellten einleitete. Das Ziel bestand darin, die Nutzbarkeit der Lösung im Alltag zu prüfen. In Tennessee geben Rechtsvorschriften (HB556), die am 20. Mai 2015 erlassen wurden, dem staatlichen Verkehrsamt die Befugnis, ein sicheres „elektronisches Führerscheinsystem" zu entwickeln und digitale Bilder auf einem Mobiltelefon oder anderen tragbaren elektronischen Geräten anzuzeigen. Fünf Staatslegislativen (gesetzgebende Körperschaft der Staaten in den USA) genehmigten Studien über Smartphone-Führerscheine: Delaware, Florida, New Jersey, Norddakota und Texas. Fünf weitere Staaten ziehen ein solches Gesetz in Betracht: Arizona, Illinois, Kentucky, Louisiana und Missouri.

In Kalifornien verabschiedete die staatliche Gesetzgebung einen Gesetzesentwurf (Februar‒September 2015) für eine Durchführbarkeitsstudie zur digitalen mobilen Führerscheinapp für Smartphones. Der Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, erhob jedoch im Oktober 2015 dagegen Einspruch.

Die Arbeitsgruppe der American Association of Motor Vehicle Administrators untersucht zurzeit Standards und Best Practices für digitale Führerscheine und konzentriert sich vorwiegend auf Bedenken gegenüber der Einhaltung der Datenschutzes und der Haftbarkeit.

Zudem hatte der berühmte Fall Riley gegen Kalifornien im September 2014 einen positiven Einfluss auf das rechtliche Umfeld. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten kam zum Schluss, dass digitale Informationen auf einem Mobiltelefon, das während einer Verhaftung konfisziert wurde, nicht ohne einen Durchsuchungsbefehl von der Polizei kontrolliert werden dürfen. Dies macht es einfacher für Staaten, digitale Führerscheinlösungen einzuführen, da der Gerichtshof deutlich festlegte: Die Polizei darf Mobiltelefone nicht willkürlich durchsuchen..

Andere Initiativen weltweit

In Australien kündigte New South Wales im November 2015 die Einführung eines digitalen Führerscheins für Smartphones für das Jahr 2016 an und im Februar 2016 gab die Presse preis, dass auch Victoria Technologien untersucht, um innerhalb der kommenden Monate digitale Führerscheine auszustellen. Der Staat Western Australia gab im April 2016 die Planung bekannt, Führerscheine in digitale Identitätsnachweise umzuwandeln.

Mike Baird, Premierminister von New South Wales, versprach, den digitalen Führerschein innerhalb von vier Jahren einzuführen. Zum Aufbau eines funktionierenden rechtsgebietsübergreifenden Ansatzes im Land wird jedoch eine intensive Kooperation notwendig sein.

Im Mai 2016 offenbarte die britische KFZ-Zulassungsstelle DVLA, dass sie zurzeit ebenfalls an einem digitalen Führerschein für Smartphones arbeitet und stellte den „Prototyp" einer Funktion vor, die es Fahrern erlaubt, ihren Führerschein auf ihrem Mobiltelefon zu speichern und so ihr iPhone in einen Identitätsausweis umzuwandeln.

Weitere Länder wie z. B. Indien erforschen ebenfalls diese Option. Momentan steht der Markt noch im frühen Anfangsstadium und die Standards wurden noch nicht vollständig festgelegt. .

Mobiler Führerschein

Technologien und Implementierungsmodelle von Gemalto​

​Beim mobilen Führerschein müssen diverse Schlüsselanforderungen berücksichtigt werden, damit er als vertrauenswürdiger digitaler Identitätsnachweis anerkannt wird. Er muss sowohl im Online- als auch im Offline-Modus zur Verfügung stehen, hochgradig sicher sein, um die Vertraulichkeit und Geheimhaltung von Nutzerdaten zu gewährleisten, vollständig dialogfähig mit verschiedenen Ausstellungsbehörden und Prüfstellen und in der Lage sein, die Integrität der Daten während des gesamten Lebenszyklus zu wahren ‒ von der Anmeldung bis zum Verifizierungsprozess in der Praxis. Vorläufig werden mobile Führerscheine noch keinen Ersatz für physische Führerscheine darstellen, sondern als alternative Ausweisart zur Ergänzung der herkömmlichen Version dienen. 

Im September 2015 führte Gemalto eine umfangreiche Studie mithilfe einer Online-Verbrauchergruppe mit 200 Mitgliedern aus dem Vereinigten Königreich und den USA durch. Das direkte Feedback potenzieller Nutzer der digitalen Führerscheinlösung zeigte die Vorteile, Bedenken und die Vielfältigkeit an Zielgruppen auf. Diese Erkenntnisse ermöglichten es dem Unternehmen, entsprechende  Implementierungsmodelle zu schaffen.

Die Gemalto Mobile DL-Lösungen liefern Technologie- und Implementierungsmodelle, die Benutzerfreundlichkeit, regionale Systeme und Vorgehensweisen in Zusammenhang mit Führerscheinen (Fahrzeugführer, Polizei, Dienstleister...) berücksichtigen und höchste Sicherheitsstandards bieten, sowohl bei der Sicherung von Berechtigungsdaten als auch bei der Datenübertragung und -verifizierung.

Ein digitaler Berechtigungsnachweis bringt nicht nur neue Sicherheitsvorkehrungen wie PIN- oder Fingerabdruckverifizierung mit sich, es ist auch schwieriger, ihn unerlaubt zu vervielfältigen oder zu verändern. Da die Daten in Echtzeit am Backend des Herausgebers geprüft werden, können gefälschte Berechtigungsnachweise schnell und einfach als ungültig erkannt werden. Dies vereinfacht die Verifizierung digitaler Führerscheine, selbst aus anderen Staaten, erheblich und sorgt für mehr Sicherheit. Sollte das Mobilgerät eines Nutzers jemals verloren gehen oder gestohlen werden, kann der digitale Führerschein fast unverzüglich Remote deaktiviert oder gelöscht werden.

Im Gegensatz zu einer traditionellen Führerscheinkart, muss der Besitzer den Führerschein niemals aus der Hand legen. Bei der Überprüfung des Führerscheins im praktischen Einsatz hat man Zugriff zu erweiterter Echtzeit-Authentifizierung durch eine andere Version der Applikation auf einem Authentifizierungsgerät  – entweder ein zweites Smartphone oder ein Lesegerät. Auf dem Verifizierungsgerät bleiben keine Spuren zurück und es kommt nicht zum „Geotagging" oder der Nachverfolgung der Benutzerdaten.

Bei einem digitalen Führerschein hat der Herausgeber weit mehr Kontrolle über die sich im Verkehr befindlichen Berechtigungsnachweisen im Vergleich zu traditionellen physischen Führerscheinen. Zum Beispiel kann der Inhaber benachrichtigt werden, wenn die Gültigkeit des Führerscheins in naher Zukunft abläuft. Die Bürger könnten zudem direkt durch die Anwendung ihre persönlichen Daten aktualisieren oder sogar ihren Führerschein erneuern, anstatt eine Zweigniederlassung besuchen zu müssen, und so Zeit und Mittel sparen. 

Kontrolle und Benutzerfreundlichkeit werden die ausschlaggebenden Elemente für Herausgeber und Benutzer auf dem Weg zum mobilen Führerschein darstellen. Diese Form des digitalen Berechtigungsnachweises könnte eine neue, effizientere und sicherere Art der Authentifizierung einer Person und ihrer Berechtigung für eine Reihe von Anwendungen zur persönlichen Identifizierung ermöglichen. 

Weitere Informationen zu Gemalto

Im öffentlichen Sektor liefert Gemalto sichere Dokumente, solide Identitätslösungen und Dienstleistungen für Regierungen, nationale Druckereien und Integratoren im im Dienste der Bürger.  Seine Produkte und Lösungen werden in über 100 staaatlichen Programmen weltweit eingesetzt.

Das Unternehmen ist an zahlreichen Führerschein- und KFZ-Zulassungsprojekten, u. a. im Vereinigten Königreich, den Niederlanden, Frankreich, Indien, Mexiko, Marokko, Alaska, Maryland, New Hampshire, West Virginia, Idaho, Colorado, Washington D. C., Hawaii, Wyoming und Quebec beteiligt, um nur einige wenige zu nennen.

Unser Beitrag zu diesen Projekten liefert uns einen hervorragenden Überblick über die beteiligte Technologie, ihre Anwendungen, die Qualität der Informationssysteme und in welchem Zusammenhang sie eingesetzt wird. Zudem unterstützen unsere Fachleute nationale Debatten darüber, wie die Systeme verbessert werden können, insbesondere um Betrug zu bekämpfen. Abschließend kann hinzugefügt werden, dass Gemalto einen aktiven Beitrag zur europäischen und globalen Standardisierung liefert.​